Kategorie: Hinter den Kulissen

Behind-the-scenes Einblicke in KAIonAI: wie Songs entstehen, wie Tools gebaut werden, wie die Arbeit wirklich aussieht.

  • Sechs Versionen, ein Musikvideo: Was mich Jims „Alte Schule“ über KI-Videoproduktion gelehrt hat

    Jims Musikvideo zu „Alte Schule“ ist fertig. Freigegeben, abgehakt, fertig zum Hochladen. Aber „fertig“ fühlt sich nach sechs Versionen anders an als beim ersten Rohschnitt.

    Ich beschäftige mich seit einigen Jahren ernsthaft mit KI-Tools, aber Videoproduktion mit KI ist nochmal eine andere Liga als Songtexte oder Bilder. Was mich dabei zunehmend nervt und was tatsächlich gut funktioniert hat, will ich hier ehrlich aufschreiben – nicht das polierte „So einfach geht’s“-Narrativ, sondern was wirklich passiert ist.

    Kurz zusammengefasst: Aiqoras KI-Video-Tool hat aus Jims Song „Alte Schule“ automatisch ein komplettes Musikvideo generiert – mit Lipsync-Fehlern an Instrumentalstellen, Geisterbild-Effekten bei Kreuzblenden und Bewegungsfehlern, die erst bei genauer Frame-für-Frame-Prüfung auffielen. Nach sechs Korrekturrunden mit lokalen Nachbesserungen (Referenzbild → KI-Keyframe → KI-Videoclip) ist das Video jetzt fertig und freigegeben.

    Der Ausgangspunkt

    Jim ist einer unserer KI-Artists bei KAIonAI – Polier auf dem Bau, Hobbymusiker, Best-Ager-Charakter. „Alte Schule“ ist sein erster Song. Für das Musikvideo habe ich den Aiqora Cinema Agent genutzt, der aus Songdatei und Charakterreferenz automatisch ein komplettes Musikvideo baut – Szenenaufteilung, Lipsync, alles.

    Das Ergebnis nach dem ersten Durchlauf: 40 von 44 Szenen brauchbar. Klingt gut. War es aber nicht ganz.

    Das Problem mit Lipsync, das ich nicht kommen sah

    Aiqora synct Jims Mund automatisch zum Gesang. Praktisch – bis der Algorithmus glaubt, an Stellen Lipsync zu brauchen, wo im Song gar nicht gesungen wird. Zwei Chorus-Szenen zeigten Jim, wie er stumm ins Bild redet, während tatsächlich eine instrumentale Wiederholung läuft. Wirkt sofort falsch, auch wenn man den Grund nicht sofort benennen kann.

    Das Nervige dabei: Aiqoras API erlaubt es nicht, ein bestehendes Projekt zu öffnen und einzelne Segmente neu zu generieren. Nur eigenständige Einzel-Tools, kein Zugriff auf das laufende Projekt. Also musste ich lokal reparieren – Referenzbild von Jim, Keyframe über ein Bildmodell, daraus ein kurzer Videoclip, und den dann exakt an der richtigen Stelle ins bestehende Video einbauen.

    Hat funktioniert. Hat aber auch gezeigt, wie viel Handarbeit hinter „KI macht das Video“ wirklich steckt, sobald man nicht mit der ersten Ausgabe zufrieden ist.

    Die Sache mit den Geisterbildern

    Der zweite Lerneffekt kam später, und der war subtiler. Ich hatte an den Schnittstellen zwischen den ausgetauschten Szenen kurze Kreuzblenden gesetzt – klingt nach der sauberen Lösung. War es nicht.

    Bei kurzen Blenden zwischen sehr unterschiedlich belichteten Szenen (zum Beispiel ein dunkles Porträt direkt vor eine helle Gegenlicht-Szene) entsteht für einen Sekundenbruchteil ein Doppelbelichtungs-Effekt, der wie ein Bildfehler aussieht. Ist technisch keiner – aber es wirkt kaputt.

    Am Ende habe ich systematisch alle 28 Szenenübergänge im ganzen Video durchgeprüft, nicht nur die gemeldeten Problemstellen. Fast jede Kreuzblende zeigte denselben Effekt. Die Lösung war simpel, aber unbequem einzusehen: bei einem schnellen 116-BPM-Rocksong sind kurze Kreuzblenden ohnehin unüblich. Harte Schnitte passen besser zum Tempo. Am Ende habe ich das komplette Video auf harte Schnitte umgestellt – kein Sonderfall mehr an ein paar Stellen, sondern ein einheitliches Prinzip.

    Warum ein Frame pro Szene nicht reicht

    Der dritte Punkt hat mich am meisten überrascht. Bei der Qualitätskontrolle hatte ich zunächst jeweils ein Einzelbild pro Szene geprüft. Reicht nicht.

    An einer Stelle lag mein Stichprobenbild zufällig kurz nach dem eigentlichen Problem – die ersten anderthalb Sekunden der Szene zeigten Jim noch mit weit offenem Mund singend in die Menge, bevor die Szene zur eigentlich unproblematischen Einstellung wechselte. Erst als ich anfing, mehrere Frames pro Sekunde statt Einzelbilder zu prüfen – quasi einen Filmstreifen statt eine Momentaufnahme –, ist mir das aufgefallen.

    Das ist die Art Fehler, die man nur findet, wenn man wirklich hinschaut, nicht nur stichprobenartig durchklickt.

    Was am Ende geblieben ist

    Sechs Versionen später: Jim trägt durchgehend die richtige Kleidung, niemand singt stumm ins Bild, alle Übergänge sind sauber, die Gesamtlänge stimmt exakt mit dem Song überein. Das Video ist jetzt freigegeben und geht bald auf YouTube.

    Was ich mitnehme: KI-Videogenerierung liefert heute erstaunlich gute erste Entwürfe. Aber „erster Entwurf“ ist der richtige Erwartungswert, nicht „fertiges Produkt“. Wer bei der ersten Ausgabe stehenbleibt, übersieht Lipsync-Fehler, Geisterbilder und Bewegungsartefakte, die im fertigen Video sofort als „irgendwas stimmt hier nicht“ auffallen, auch wenn niemand genau sagen kann, was.

    Häufige Fragen zu KI-Musikvideos

    Warum entstehen bei KI-generierten Musikvideos Lipsync-Fehler?

    Weil Tools wie Aiqora automatisch Mundbewegungen zu jedem Song-Abschnitt syncen – auch dort, wo im Song eigentlich niemand singt, sondern nur ein Instrumentalpart läuft. Ohne wortgenaues Timing kann die KI diese Passagen nicht zuverlässig erkennen.

    Warum wirken Kreuzblenden in KI-Musikvideos manchmal wie Bildfehler?

    Weil kurze Kreuzblenden zwischen stark unterschiedlich belichteten Szenen für einen Sekundenbruchteil einen Doppelbelichtungs-Effekt erzeugen. Bei schnellen Songs mit vielen Szenenwechseln wirkt das wie ein Geisterbild, obwohl technisch nichts falsch berechnet wurde – harte Schnitte sind hier oft die bessere Wahl.

    Wie viele Korrekturrunden braucht ein KI-Musikvideo realistisch?

    Bei „Alte Schule“ waren es sechs komplette Versionen, bis Lipsync-Fehler, Bildartefakte und Übergänge sauber waren. Der erste automatisch generierte Entwurf sollte als Ausgangspunkt verstanden werden, nicht als fertiges Ergebnis.

    Kurze Ankündigung zwischendurch

    Christina, nach Bay, Frieda und Jim unsere vierte KI-Artist-Stimme bei KAIonAI, bekommt am Freitag, 21. August, um 8 Uhr gleich zwei neue Songs: „Hamburg, fünfzig und frei“ und „Second Wind“.

    Cover des Songs Hamburg, fünfzig und frei von Christina
    Cover des Songs Second Wind von Christina

    Mehr dazu, sobald die Songs draußen sind.

  • Was passiert, nachdem du mir deine Geschichte schickst

    Was passiert, nachdem du mir deine Geschichte schickst

    Jemand füllt das Formular aus. Wählt „Hochzeit“ oder „Danke sagen“ oder „Etwas anderes“. Schreibt drei, vier Sätze über einen Menschen, der ihm wichtig ist. Klickt auf „Song bestellen“.

    Und dann?

    Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – meistens bevor überhaupt eine Bestellung reinkommt. Was passiert eigentlich mit meiner Geschichte, nachdem ich sie abgeschickt habe? Landet die irgendwo in einem System, das automatisch einen Text zusammenwürfelt? Oder liest da wirklich jemand mit?

    Deshalb zeige ich hier mal komplett offen, was zwischen deinem Klick und der fertigen Song-Datei passiert.

    Schritt 1: Die Bestellung

    Das Bestellformular auf kaionai.com/bestellung, in dem der Anlass für den Song ausgewählt wird

    Alles startet auf kaionai.com/bestellung. Kein Konto, kein Abo, keine zwanzig Formularfelder. Du wählst den Anlass, für wen der Song ist – und dann kommt der wichtigste Teil: die Geschichte.

    Genau hier entscheidet sich, wie gut der Song wird. Nicht die Technik dahinter. Die Geschichte.

    Ich frage bewusst nicht nach Lieblingsfarbe oder Lieblingszahl. Ich will wissen: Was ist an diesem Menschen besonders? Was ist passiert, das nur ihr beide kennt? Ein Satz wie „sie hat mich jeden Sonntag um sieben angerufen, auch wenn nichts zu erzählen war“ bringt mich weiter als zehn Adjektive.

    Schritt 2: Ich lese jede Geschichte selbst

    Bevor irgendein Tool angefasst wird, lese ich jede Bestellung persönlich. Über 1.250 Mal inzwischen. Das ist der Teil, den viele nicht erwarten: Es gibt keinen automatisierten Prozess, der deine Eingabe direkt in einen Songtext schiebt.

    Ich überlege mir eine Perspektive. Ich-Form oder Erzählform? Chronologisch oder ein einzelnes Bild, um das sich alles dreht? Manchmal ist ein einziger Satz aus deiner Bestellung genau die Zeile, um die der ganze Song gebaut wird.

    Schritt 3: Text und Produktion

    Für die Musik nutze ich KI-Tools wie Suno – daraus mache ich kein Geheimnis. Aber die Eingabe, die daraus einen Song macht, ist keine automatische Übersetzung deiner Geschichte. Ich texte selbst, wähle Stil, Instrumentierung und Stimmung. Oft über mehrere Versuche.

    Ich spiele selbst Piano, Bass und Gitarre. Kein Profi, aber ich höre, wenn ein Arrangement nicht stimmt.

    Das ist der Unterschied zwischen „ein KI-Song kam raus“ und „ich habe einen Song produziert, bei dem KI ein Werkzeug war“.

    Schritt 4: Feinschliff und Korrekturschleifen

    Je nach Paket gibt es ein bis drei Korrekturschleifen. Die sind kein Lippenbekenntnis. Wenn ein Name falsch betont wird oder eine Zeile nicht das trifft, was du gemeint hast, wird nachgebessert – bis es passt.

    Die drei Preispakete von KAIonAI: Personal für 29,90 Euro, Besonders für 59,90 Euro und Meisterstück für 99,90 Euro

    Bei Personal für 29,90 Euro bekommst du einen individuell produzierten Song mit einer Korrekturschleife. Besonders für 59,90 Euro bekommt zusätzlich meinen persönlichen Feinschliff, zwei Korrekturschleifen und kommerzielle Nutzungsrechte. Meisterstück für 99,90 Euro ist die vollständige Version: drei Songversionen plus Revision, Instrumental-Stems und exklusive, uneingeschränkte Nutzungsrechte.

    Schritt 5: Die Lieferung

    In der Regel 48 bis 72 Stunden nach Bestellung liegt der fertige Song in deinem Postfach – als MP3 und WAV. Kein Abo, keine automatische Verlängerung, keine versteckten Kosten.

    Warum ich das so offen zeige

    Weil die meisten Leute, die einen Song verschenken wollen, noch nie etwas Vergleichbares gekauft haben. Sie wissen nicht, ob am anderen Ende ein Algorithmus sitzt, der ihre Eingabe durchrattert, oder ein Mensch, der sich das wirklich anschaut.

    Bei mir ist es Letzteres.

    Und wenn du gerade überlegst, ob so ein Song zu deinem Anlass passt: Erzähl mir deine Geschichte.