ElbJazz 2026 auf einen Blick
- 13. Ausgabe, 11.–12. Juli 2026
- Blohm & Voss Werftgelände, Hamburg-Steinwerder
- Rund 20.000 Besucher, 50 Acts auf sechs Bühnen
- Headliner: Tom Jones (86, „Come Gather Round“), Jamie Cullum, Snarky Puppy
- Meine persönlichen Geheimtipps: NDR Bigband & John Beasley, Christone „Kingfish“ Ingram, Dominique Fils-Aimé
Zwei Tage, sechs Bühnen, Kräne im Rücken und die Elbe direkt vor der Nase. Das ElbJazz-Festival fand dieses Jahr zum 13. Mal statt, auf dem echten Blohm & Voss Werftgelände in Hamburg-Steinwerder – rund 20.000 Besucher, 50 Acts, sechs Bühnen. Container, Seilwinden und Schiffbauhallen statt klassischem Festivalgelände. Genau dieser Bruch macht die Atmosphäre. Man steht zwischen Industrie-Stahl und hört gleichzeitig Jazz, Funk und Blues.
Ich war beide Tage da, und ich könnte über jeden einzelnen Act etwas schreiben. Mach ich nicht – aber ein paar Highlights mussten raus.
Freitag: Bigband-Wucht, Funk-Party und ein Popstar mit Jazz-Herz
Für mich der Startpunkt des Wochenendes: NDR Bigband & John Beasley mit ihrem Programm „Miles Davis at 100: Filles de Kilimanjaro Reimagined“. Eine komplette Bigband, die ein Miles-Davis-Album neu interpretiert – das ist genau die Art von Programm, wegen der ich mir so ein Festival überhaupt antue. Kein Cover, keine Nostalgie-Nummer, sondern eine echte Neuinterpretation mit Wucht.

Später am Abend Amelia auf der Hamburg Stage. Für mich ein Mix aus Amy Winehouse, Adele und Anne Clark – diese Kombination aus Soul-Stimme und kantiger Attitüde hört man nicht oft. Und dann Incognito auf der Helgen Stage: geile Live-Band, ordentlich Funk und Soul im Gepäck. Genau die Art Konzert, bei der man nach dem ersten Song merkt, dass heute nicht stillgestanden wird.

Freitag-Headliner war Jamie Cullum – er hat schon dreimal auf dem ElbJazz in Hamburg gespielt, 2013, 2019 und jetzt wieder im Juli 2026. Man merkt, dass ihm das Festival wirklich etwas bedeutet. Den Tag beendet hat Greentea Peng – nicht meine eigene Entdeckung des Abends, aber auch mir ist aufgefallen, wie souverän die Londonerin zwischen Dub, Soul und Jazz hin- und hergesprungen ist.
Samstag: Blues, kanadische Coolness und ein Ur-Gestein namens Tom Jones
Samstagnachmittag startete für mich mit Dominique Fils-Aimé, einer kanadischen Jazz-Sängerin. Sie hat mich positiv an Sade erinnert – diese Coolness, bei der man merkt, dass da überhaupt nichts erzwungen wird. Einfach eine Sängerin, die genau weiß, was sie tut, und der Rest passiert von selbst. Für mich war sie die Lichtgestalt des ganzen Festivals. Meine Neuentdeckung des Wochenendes – ich bin jetzt Fan.
Am Abend dann, für mich als Blues-Fan eines der Highlights des ganzen Wochenendes: Christone „Kingfish“ Ingram. Tolle Musik, geniale Stimme, dazu diese coolen Keb‘-Mo‘-Vibes. Wenn man Blues mag, kommt man an dem Typen aktuell nicht vorbei.

Direkt danach Snarky Puppy. Ich mag die Musiker, und die Musik ist gut – technisch richtig hochwertig. Aber nach spätestens vier Songs kommt bei mir jedes Mal der Punkt, an dem ich denke: jetzt ist auch mal gut. Mir fehlt da der Gesang, und irgendwie auch die Abwechslung – rein laienhaftes Bauchgefühl, kein fundiertes musikalisches Urteil. Nach rund 30 Minuten Snarky Puppy hatte ich jedenfalls für die nächsten Wochen genug davon.
Und dann, zum Abschluss des Festivals, Tom Jones mit seinem aktuellen Programm „Come Gather Round“. 86 Jahre alt, 90 Minuten Show, und man merkt keine Sekunde, dass da jemand über sechzig Jahre im Geschäft ist. Ich war schon seit Wochen gespannt, wie ein 86-Jähriger „Sexbomb“ auf die Bühne bringt – und war total baff, wie der alte Tiger das umgesetzt hat. Rund eine Viertelstunde vor Schluss hat er kurz pausiert, natürlich nur um dann für die Zugabe zurückzukommen – aber das sei ihm in dem Alter durchaus gegönnt. Das ist keine Pflichtnummer eines alten Stars, das ist immer noch echte Bühnenpräsenz.

Die Location macht die Hälfte des Erlebnisses
Man kommt teilweise mit der Fähre übers Wasser zum Festivalgelände, teilweise zu Fuß durch den Elbtunnel. Zwischen den Bühnen stehen Werftkräne, blauer Himmel, Elbblick, Möwengekreische. Diese Mischung aus Industriecharme und Live-Musik gibt es so an kaum einem anderen Ort.


Dazu kam noch das Wetter: an beiden Tagen durchgehend bestes Open-Air-Wetter, blauer Himmel, kein Tropfen Regen. Dafür war es an beiden Tagen ziemlich heiß – nicht unerträglich, aber schon deutlich spürbar. Paradiesischer geht’s für ein Festivalwochenende kaum.
Und dann ist da noch der Preis. Für das, was man geboten bekommt – 50 Acts, sechs Bühnen, Weltklasse-Namen wie Tom Jones oder Snarky Puppy – ist das Ticket fair, fast schon günstig. Zusammen mit dem Wetter hatte ich an diesem Wochenende einfach richtig Glück.
Warum mir das trotz KAIonAI wichtig ist
Ich baue mit KAIonAI gerade selbst an KI-Musik – personalisierte Songs, ein KI-Artist-Universe. Angefangen hat das alles mit einer Bahnfahrt nach Freiburg. Genau deswegen war dieses Wochenende für mich noch mal ein guter Reality-Check: Live is Live. Eine Bigband, die live eine Neuinterpretation von Miles Davis spielt, oder ein 86-jähriger Tom Jones, der 90 Minuten lang open air eine ganze Menge Publikum trägt – das ist eine andere Kategorie als alles, was aus einem Prompt entsteht.
Ich spiele selbst Piano, Bass und Gitarre. Kein Profi, aber ich höre den Unterschied. Und der war an diesem Wochenende wieder überall spürbar.
Und was macht eigentlich meine eigene Band?
Falls du dich fragst, ob ich nur zuhöre oder auch selbst was mit Jazz mache: Auf meinem YouTube-Kanal Jazzy Relaxing Lounge läuft entspannter Jazz rund um die Uhr – produziert mit KI, gespielt von meiner Band. Die besteht allerdings komplett aus Hologrammen. Von mir.

Ob die Jungs irgendwann mal auf einer echten ElbJazz-Bühne stehen? Bis es so weit ist, wird es hoffentlich noch sehr lange dauern. Am besten passiert es nie. Nach diesem Wochenende bin ich mir da ziemlich sicher – manche Bühnen gehören den Echten.
Kurz gefragt
Wo genau findet ElbJazz statt?
Auf dem Blohm & Voss Werftgelände in Hamburg-Steinwerder – mitten im Hafen, zwischen echten Werftkränen statt auf einer Wiese.
Wer waren die großen Namen 2026?
Tom Jones, Jamie Cullum und Snarky Puppy als Headliner. Meine persönlichen Favoriten liefen aber eher nebenbei: NDR Bigband & John Beasley, Christone „Kingfish“ Ingram, Dominique Fils-Aimé.
Lohnt sich das Ticket?
Für mich ja, klar. Bei der Dichte an Programm und Qualität ist der Preis fair bis günstig.
Braucht man bei ElbJazz Regenklamotten?
Dieses Jahr nicht – zwei Tage durchgehend blauer Himmel, dafür ziemlich heiß. Garantie gibt’s dafür natürlich keine, Hamburg bleibt Hamburg.
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